Haaranalyse
Eine Studie über die Verwendung von Shampoo und Conditioner

Die Fragestellung

Immer wieder wurde mir von allen möglichen Seiten (Freundin, ...) angetragen, doch bitte Shampoo statt Duschgel, und am besten noch einen Conditioner zum Haarewaschen zu benutzen. Die Werbung ist schon tief in allen verwurzelt und so stellte ich mir die Frage, ob es denn tatsächlich einen Unterschied macht, mit was man sich die Haare wäscht. Es wurde mir wiederholt erzählt, man könne den Unterschied sowohl sehen als auch fühlen. Ich fühlte mich herausgefordert.

Kann man den Unterschied beim Waschen mit Conditioner sehen oder fühlen?

Der Forschungsentwurf und Versuchsdurchführung

Waschen der Haare mit unterschiedlichen Mitteln und anschließendes Betrachten und Befühlen durch Probanden.

Eines Sonntag morgens im November 2010 habe ich das ganze dann als Selbstversuch durchgeführt. Unter der Dusche wurde der Kopf dazu in 4 Quadranten eingeteilt. Dadurch kann gewährleistet werden, dass alle vier Pflegeprdoukte die selbe Haargrundlage haben.

  1. links vorne
  2. links hinten
  3. rechts vorne
  4. recht hinten

Vom Versuchsleiter (ich) werden diese Quadranten mit unterschiedlichen Substanzen gewaschen.

Substanzen zur Haarpflege:

Selbstverständlich handelt es sich hierbei um eine Blindstudie, d.h. dass nur dem Versuchsleiter bekannt ist, welcher Quadrant mit welchem Pflegeprodukt behandelt wurde (doppelblind geht schlecht :-), die Probanden hingegen wissen nichts.

Nach dieser Behandlung wurden durch eine Behandlung mit warmer Luft (Fön) alle vier Quadranten getrocknet. Die Primärprobandin (die die Behauptung aufgestellt hatte, sie könne das sehen und fühlen) durfte nun zunächst eine optische Begutachtung der vier Quadranten durchführen. Anschließend wurde haptische Sensorik eingesetzt (Fühlen an den Haaren).

Um die Ergebnisse objektiv zu unterstützen, wurden aus jedem Quadranten einige Proben mit einer Schere entnommen (Haarbüschel, ca 20 Haare). Zur weiteren Untersuchung wurden diese mit einem Rasterelektronenmikoskop (Zeiss SIGMA) betrachtet um etwaige Unterschiede in der Struktur erkennen zu können. Dazu wurden die Haare auf einem Halter aufgespannt und zur Vermeidung von Aufladungseffekten mit einer dünnen Goldschicht (5 nm) versehen.

Ergbnisse und Diskussion

Die Analyse für jeden Quadranten wurde erfasst und mit den tatsächlichen Werten verglichen. Dabei stellt man fest, dass die Probandin in den drei durchgeführten Versuchen nie alle 4 Quadranten richtig analysieren konnte.

Optik und Haptik

QuadrantBehandlungExperiment 1Experiment 2
1 Wasser
2 Shampoo
3 Conditioner
4 Shampoo+Conditioner

Rasterelektronenmikroskopie

In der Übersicht sieht man 3 der 4 Haare, die auf einem REM-Pad aufgespannt sind. Overview

Quadrant 1: Wasser

Quadrant 1

Quadrant 2: Shampoo

Quadrant 2

Quadrant 3: Contitioner

Quadrant 3

Quadrant 4: Shampoo + Conditioner

Quadrant 4

Zwischen der Verwendung von Shampoo und Wasser kann im Elektronenmikroskop kein nennenswerter Unterschied an den Haaren feststellen werden. In beiden Fällen sind die Kanten der Haarschuppen sehr scharf und stufig. Im Gegensatz dazu fällt bei der Verwendung von Conditioner auf, dass diese Stufen mit etwas verschmiert sind, wobei es sich vermutlich um den Conditioner handelt. Hierbei unterscheidet sich wiederum die Variante mit vorheriger Behandlung mit Shampoo nicht von derjenigen, bei der der Conditioner direkt auf den nassen Haare aufgebracht wurde.

Man kann sich durchaus vorstellen, dass diese abgerundeten, geglätteten Kanten dazu führen, dass sich die Haare weicher anfühlen. Durch den Verlust der Kanten verhaken die Haare beim Bürsten nicht mehr so miteinander. Allerdings muss man beachten, dass dies bei einer reinen Anwendung des Conditioners genauso funktioniert und das bedeutet, dass man den Dreck auch noch drunter haben kann.

Fazit

Die Ergebnisse der optischen und haptischen Analyse zeigen, dass es schwierig ist die verschiedenen Behandlungen zu unterscheiden. Die Untersuchungen mit dem Rasterelektronenmikroskop legen allerdings nahe, dass es Unterschiede gibt und diese prinzipiell auch zu fühlen sein müssten.

Desweiteren wurde festgestellt, dass Conditioner scheinbar teuer sind, denn durch die Versuche wurde die Flasche geleert und der Neukauf wurde von der Probandin angeordnet. hmpf.